Jemand schlägt eine neue Methode vor

– the next big shit – ganz viele Firmen arbeiten schon damit! Das wird uns auch helfen!
Gesagt getan, los geht’s. Die ersten Mitarbeitenden rollen mit den Augen, naja, auch dieses Thema werden wir überstehen, wie die unzähligen davor auch. Wirklich verändern wird sich auch dieses Mal nichts. Nicht selten ist das auch der Gedanke in der Führungsebene.
Die Schwarzwald Marie von Playmobil war vor einigen Monaten ein riesiger Hype in der Region. Ständig ausverkauft und schon zu spannenden Preisen bei Ebay gehandelt.
Ich komme aus Baden-Baden, habe eine hohe Affinität zum Schwarzwald und viel Zeit meiner Kindheit dort verbracht. Ich spürte schnell diesen Drang, eine Schwarzwald Marie muss her.
Ich habe das Gefühl erfolgreich bekämpft bis letzte Woche. Ich hatte gar nicht mehr daran gedacht, der Hype war abgeebbt. Da hat mich die Marie erwischt, denn plötzlich stand sie da in der Tourist Info in Baden-Baden, ganz unschuldig und war verfügbar. Zack, gekauft!
🔎 Spiele ich noch mit Playmobil? Nein, maximal verwende ich es beruflich für Workshops.
🔎 Habe ich Kinder im geeigneten Alter? Nein.
🔎 Sammelt irgendwer in der Familie Playmobil? Nein.
Was also hat mich zum Kauf der Marie bewogen? Gute Frage.
Das spannende ist, dass ich das genau so oft im Beruf erlebt habe. Anfragen in Sachen agile Methoden oder Frameworks wie Design Thinking, Scrum oder OKR. Bereiche oder Teams möchten es gern einführen, sind hochmotiviert und möchten am liebsten gleich komplett ausrollen. Meine ersten Fragen sind dann:
👉 Warum wollt Ihr es einführen und wofür wollt Ihr es nutzen?
👉 Welche Erwartung habt Ihr an diese Methode?
👉 Was soll sich verändern?
👉 Was seid Ihr bereit, dafür zu verändern?
Häufig entsteht erst dann die Diskussion über das eigentliche Problem und darauf aufbauend, ob diese Methode dafür die richtige Lösung sein kann oder eben auch nicht. Aus meiner eigenen Erfahrung im Konzern weiß ich, dass dieser Part häufig übersprungen wird. Damit sind solche Einführungen meist nur Eintagsfliegen, bis die nächste Methode auf den Markt kommt.
Die Schwarzwald Marie steht jetzt auf meinem Schreibtisch und sieht mir bei der Arbeit zu 😉. Ziemlich sicher ist sie ein „nice to have“ Utensil auf meinem Schreibtisch. Vielleicht wandert sie auch mal in meinem Workshopkoffer zum bisherigen Playmobil Equipment.
Es war eine vergleichsweise kleine unnötige Investition. Im Businesskontext, wenn es um die Einführung neuer Vorgehensweisen geht, sieht das deutlich anders aus. Hier können die ersten Fragen nach der Zielsetzung viel Budget sparen, bevor eine Methode neu eingeführt wird.



